
Von der Konditorei Kessler über Rabien bis zum Café Heider: ein Haus, das Kaiserreich, zwei Weltkriege und vierzig Jahre DDR überdauert hat.
Am Nauener Tor, an der Pforte zum Holländischen Viertel, steht ein Eckhaus, das Potsdam durch drei Jahrhunderte begleitet hat. Kaum ein Ort in der Stadt hat so viel gesehen, und kaum einer wird so selbstverständlich zum eigenen Wohnzimmer erklärt.
Der Tischlermeister Gerhard de Ridder errichtet das Eckhaus an der Pforte zum Holländischen Viertel. 1743 erhält er den königlichen Schenkungsbrief für Haus und Grundstück.
Am Nauener Tor besteht die Konditorei Kessler. 1901 kommt der junge Konditormeister Ernst Rabien nach Potsdam und tritt hier eine Stelle an. Mit diesem Haus beginnt eine Caféhaus-Tradition, die bis heute nicht abgerissen ist.

Nach dem Tod des Besitzers übernimmt Ernst Rabien die Konditorei, baut sie großzügig zu einem Kaffeehaus um und benennt sie nach seinem Namen.

Das Haus erlebt den Glanz und Sturz des Kaiserhauses, überlebt den ersten und zweiten Weltkrieg und auch die Bombennacht von 1945, die einen großen Teil Potsdams zerstört.

In den Sechzigerjahren übernimmt Konditor Karl Heider das Café, seither trägt es seinen Namen. Zu DDR-Zeiten ist es das einzig privat betriebene Café Potsdams. Das Heider war wie eine Insel, ein Refugium, das seinerzeit die verschiedensten Szenen beherbergte.
Hier wurde offen gesprochen, nicht nur über Politik. Es ging oft um ganz persönliche Lebensentwürfe, um Visionen von Flucht und Rebellion. So hatte sich auch der eine oder andere inoffizielle Mitarbeiter (IM) in das rege Treiben gemischt.
„Die Decke des Cafés ließ die Staatssicherheit verwanzen."
Altersbedingt schließt das Café seine Türen. Für einen Moment wird es still am Nauener Tor.
Das Haus wird aufwändig nach Plänen Altberliner Caféhäuser rekonstruiert und noch im November des gleichen Jahres neu eröffnet, mit der romantischen Inneneinrichtung, die es bis heute prägt.
„Glanz und Sturz des Kaiserhauses, zwei Weltkriege, die Bombennacht von 1945 und vierzig Jahre DDR. Das Café Heider hat alles überdauert."
Morgens Frühstück und Kaffee aus eigener Rösterei, mittags die warme Küche, nachmittags ein Stück Torte aus der Backstube. Über hundert Jahre Potsdamer Geschichte, an denen man hier bei einer Tasse Kaffee ganz beiläufig teilhat.
